Mein anderes Weihnachtsfest

Angefangen hat mein Weihnachtsfest mit einem Geschenk eines wildfremden Menschen, der mir am Busbahnhof nachgekommen ist und mir mein liegen gelassenes Telefon gebracht hat. Feliz navidad. Ich habe so viele grosszügige, liebevolle Menschen kennen gelernt hier in Chile und dieser Akt hat dieses Bild noch unterstrichen.

Nach dem Gang in den Supermarkt voller Leute mit Weihnachtsstress haben Yoza und ich etwas gegessen und uns dann an seinen riesigen Pool gelegt. Bier, Pool, Sonnenschein und gute Gesellschaft waren alles was ich brauchte. Ich habe einige Weihnachtsfotos bekommen und mit meiner Familie geschrieben, aber alles sehr entspannt. Wir haben lecker Essen gemacht und Chiles Nationalgetränk Pisco Sour getrunken. Ich hatte noch etwas von dem leckeren Pisco „Los Nichos“ aus dem Valle del Elqui für diesen speziellen Tag aufbewahrt.

Comedor 421 la Matriz
Durch Verständnisschwierigkeiten stand ich am 25.12. vor verschlossenen Türen. Nach dem grossen Weihnachtsessen vom 24.12. war der Comedor für einen Tag geschlossen. Ich nutzte die Zeit um per Videotelefonie eine Runde am Weihnachtsfest meiner Familie zu drehen und zu relaxen. Am 26.12. war es dann endlich so weit.

Wie beim letzten Besuch vor drei Wochen wurde ich sehr herzlich empfangen und half beim Zubereiten des Eintopfes mit Reis, Gemüse und Fleisch. Obwohl ich schon eine Weile kein Fleisch mehr esse, kann ich es immer noch anfassen und zubereiten, was mir meine Arbeit sehr erleichtert hat. Nach dem Kochen haben wir zusammen gegessen. Die Mahlzeit aus Tee, Brot und Süssem nennt man in Chile „tomar onze“. Sie wird zwischen 17.00 – 21.00 Uhr eingenommen und ersetzt in manchen Familien das Abendessen. Der Ursprung des Namens ist umstritten. Mir hat die folgende Erklärung aber gefallen. Den Arbeitern Ende 19. Jahrhunderts war es während der Arbeit nicht erlaubt Alkohol zu trinken, also nannten sie die Mahlzeit „onze“, wie das Getränk Aguardiente, ein Traubenbrand, das elf Buchstaben hat und heimlich dazu getrunken wurde.

Ab 18.00 Uhr bis ca. 19.30 Uhr findet das Essen für die Bedürftigen statt. Wenn die ersten sich setzten, wird ein Gebet gesprochen und danach gibt es Essen und warme Worte. Die Betreuer sind strickt aber herzlich. Überall hiess es „hijo und hija“ was Sohn und Tochter heisst. Die Güte, Liebe und Unterstützung hat mich erneut ergriffen. Ich half bei beim Service, dem Abwasch und der Reinigung des Raumes mit. Judith und ihr Team sind gute Menschen und ich habe mich gefragt, warum ich nicht schon öfters in Gassenküchen geholfen habe. Es fühlt sich so gut an zu geben und zudem ist das Ernähren meiner Mitmenschen schon lange ein Anliegen von mir, welches mich mit viel Freude erfüllt.

Als die Arbeit vollendet war und auch der letzte Dreck geputzt war gingen wir nach Hause. Da die Kirche la Matriz in einem eher gefährlichen Viertel von Valparaiso liegt, in der ältesten Gegend nahe dem Hafen, wurde ich mit dem Auto noch bis nach Viña del Mar gebracht und habe da den Bus genommen. Den Abend habe ich bei Yoza zu Hause mit seinen Freunden und einem kleinen BBQ ausklingen lassen.

Die Weihnachtszeit ist schmerzloser als erwartet vorüber gegangen und so langsam stelle ich mich auf Argentinien ein. Nur noch zwei Tage in Santiago und dann geht es los in das nächste Land, welches sich von mir entdecken lassen will. Eine gute Altjahreswoche und bis bald aus Argentinien.

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